Patrizias Teeologie No. 10

Der Ruf der Wildnis und deine Berufung

Meinen Urlaub habe ich im Wald verbracht: wlan-los, wild und witterungsgeleitet. Bei all der Struktur, all den Terminen und einem Alltag der durchgetaktet ist, sehne ich mich regelmässig nur noch nach dem Gegenteil und folge dem Ruf der Wildnis. Ich möchte keinen Full-Service, kein All-you-can-eat und auch keine Wirlpool-Wellness. Ich möchte einfach EINFACH. Duschen ist zweitrangig, Katzenwäsche reicht aus. Haare sind uninteressant, finden von selbst ihre Form. Wenn die Sonne scheint, wird gewandert. Sollte es regnen, wird im Bett gelesen. Der Tag wird geleitet vom Dahinleben und dem sich Gedanken-machen über die nächste Nahrungszufuhr: perfekt!

Woher aber kommt dieser Ruf der Wildnis?

Sicher, die Ruhe und Abgeschiedenheit hat ihren Reiz. Aber ob es wirklich so verlockend ist, Nahrungserzeugung in Pfadfinderqualität auszuführen – viel komplizierter als in der Küche daheim oder im Bistro um die Ecke! Kein fliessend Wasser: kommt aus dem Kanister. Keine Toilette: zu finden hinter jedem Baum. Kein übersichtlicher Kleiderschrank: eine einfache Box mit wenig Kontent. Maximale körperliche Flexibilität ist gefordert. Minimaler digitaler Einsatz vonnöten.

Klingt eigentlich erstmal nicht so berauschend.

Woraus besteht er also, der bestechende Reiz seine Zeit im Wald zu verbringen, in Einfachheit und zurückgezogen? Ehrlich gesagt: eines Großteils des alltäglichen Komforts beraubt, fühlt man sich geradezu erleichtert. Sich auf das Andere konzentrieren zu dürfen, das sonst im Rausch der Arbeit zu einem lästigen Anhängsel degradiert wird, fühlt sich herrlich frei an. Diese Notwendigkeiten, die den Fluss des Geldverdienens scheinbar unnötig unterbrechen: Essen beschaffen. Kochen. Essen ansich. Körperhygiene. Körperpflege. Einfach mal nichts tun oder stundenlang durch die Gegend laufen. All das: kostet verdammt viel Zeit!

Und Zeit haben wir alle bekanntlich – wenig.

Deshalb setzen wir Prioritäten und nicht zu selten die falschen. Dies und jenes wird erwartet, muss erledigt werden und weil wir immer erreichbar sind, auf allen Kanälen, kann uns ja auch dauerd jemand zurufen, was vielleicht noch erledigt werden könnte – bis morgen früh. Das fällt im Wald schlicht und ergreifend weg. Man folgt dem Ruf der Wildnis und danach ruft einen niemand mehr. Dann wird es still. Und irgendwann hört man dann doch jemand rufen: sich selbst.

Mein Tipp um dir selbst mehr Gehör zu verschaffen:

Lass dich nicht so sehr von den anderen volllabbern. Frag nicht jede Hausfrau nach ihrer Meinung und vermute nicht hinter jedem Expertentum das Recht darauf Recht zu haben. Wenn der Teebeutel sagt:

„Du bist bereits alles, was du sein möchtest,“

dann liegt es nicht an dir, herauszufinden ob das stimmt. Sondern es liegt an dir, herauszufinden was deine Berufung ist. Und das, weißt du selbst am besten. Besser als jemand der nicht du-selbst ist. Hör dir öfter selbst zu, trau deiner Stimme und vertraue auf das, was du bist – Expert*in in eigener Sache.

Also, bis nächste Woche – ab in den Wald und Tee trinken!
Patrizias Teeologien sind inspiriert von Teebeutel-Weisheiten und übersetzen diese ins wahre Leben: Was will der Teebeutel mir sagen? Ist das auf dem Teebeutel mehr als nur ein belangloser Spruch? Wird mich das Trinken genau dieses Tees mit zunehmender Lebensweisheit belohnen?

 

Veröffentlicht auf: business and she magazin

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