Patrizias Teeologie No. 07

Wahrer Wohlstand liegt im Inneren

Ich lese in der Zeitung: jeder und jede Deutsche kauft pro Jahr durchschnittlich 60 Kleidungsstücke. Das sind verdammt viele Klamotten. Das ist verdammt viel Geld, das über die Ladentheke geht. Wer hat eigentlich so viel Geld, um sich so viele Klamotten zu kaufen? Brauchen wir so viele Klamotten, also ich meine wenn wir nicht grade einen Wachstumsschub haben und über Nacht all die Kleidungsstücke in unserem Schrank uns nicht mehr passen, was höchst unwahrscheinlich ist – es sei denn wir wären sechs Jahre alt.

Schicksale von der Stange

Bis Ende Februar konnte man in Köln im Rautenstrauch-Joest-Museum die wandernde Ausstellung „Fast Fashion“ besuchen. (http://www.fastfashion-dieausstellung.de) Ich bin dort gewesen und sicherlich gab es vieles, was mir nicht neu war, aber auch einiges von dem ich sage: es ist gut es immer wieder zu sehen. Sich die Geschichte von Kleidung zu vergegenwärtigen. Sich vor Augen zu führen, welche Menschen und Schicksale dahinter stecken.

Chic, fancy und unglaublich cool

Es ist leicht, wegzusehen und wegzudenken, wenn ich das Produkt in einem chicen Ladenlokal zwischen die Finger bekomme. Diese tollen Muster und Farben. Wahnsinnig coole Outfits. Es fühlt sich doch so unglaublich gut an, etwas Neues zu tragen und sich dafür Komplimente einzufangen. Und es macht überhaupt keinen Spaß seine Gedanken daran zu verschwenden, dass es vielleicht verwerflich und absolut unnötig wäre, noch ein fancy T-Shirt zu besitzen. Denn so eins hab ich halt noch nicht!

Markenmode versus Billigklamotten

Billigmode ist hierzulande verpönt. Das unterstütze die Ausbeutung heißt es. Unterdrückung und Lohndumping werden begünstigt. Aber ich frage mich, ob dies bei vermeintlich nicht-billigen Kleidung ebenso der Fall ist. Wo produzieren denn die großen, glitzernden Marken? Fakt ist, dass sie sich nicht von dreckigen Geschäft hinter der schillernden Modewelt reinwaschen können. Tatsache ist, dass sie uns mit ihrem sauberen Image blenden.

Die Frage bleibt: wer braucht so viele Klamotten?

Bei meinen Kindern habe ich es schon konsequent eingeführt: 75% der von mir gekauften Kleidung ist Second-Hand. Ob im Laden, bei Ebay-Kleinanzeigen, Flohmarkt oder Kleiderkreisel, das meiste bekomme ich problemlos von anderen weitergereicht, deren Kinder rausgewachsen sind. Es entsteht ein Geben und Nehmen, anti Wegwerf-Kultur.

Mein Tipp für mehr Wohlstand: Die letzten von mir erworbenen Stücke sind aus dem Lager von Emmaus (https://www.emmaus-koeln.de/gemeinschaft/ ), darunter ein 1A-Wollmantel, bodenlang und top in Schuss. Absolutes Lieblingsteil und an dieser Stelle danke an die alte Dame, die ihn so pfleglich behandelt hat. Die Frage wieviel Kleidung oder im Grunde Konsum man braucht, darf man sich ruhig öfter selbst stellen. Geld mache nicht glücklich heißt es. Und Klamotten auch nicht – weder uns noch die anderen, die dafür unter menschenunwürdigen Bedingungen schuften müssen.

Übrigens beinhaltet der Begriff Kleidung in dem Fall auch Schuhe. Ich denke das ist eine wichtige Randnotiz und jene die mich kennen, wissen welche persönliche Leidenschaft ich in diesem Kontext selbst in Frage stelle. Zwinker, zwinker.

Also, bis nächste Woche – selber stricken und Tee trinken!
Patrizias Teeologien sind inspiriert von Teebeutel-Weisheiten und übersetzen diese ins wahre Leben: Was will der Teebeutel mir sagen? Ist das auf dem Teebeutel mehr als nur ein belangloser Spruch? Wird mich das Trinken genau dieses Tees mit zunehmender Lebensweisheit belohnen?

Veröffentlicht auf: business and she magazin

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