Patrizias Teeologie No. 02

WÄHLE DEINE WORTE MIT BEDACHT.

Wenn ich Post vom Finanzamt bekomme oder meine Steuererklärung machen will – und ich schwöre, ich gebe mein bestes und versuche mich durch das sogenannte Beamtendeutsch zu kämpfen– fange ich an zu zweifeln. Liegt das jetzt an meinem Migrationshintergrund oder warum kann ich mir keinen Reim darauf machen was die von mir wollen? Oder bin ich einfach zu blöd um zu verstehen, was hier schwarz auf weiß steht?

Dann lese ich die Interpretationshilfen. Deren Sprache ist leider auch nicht viel einfacher. Anschliessend beschließe ich die Stadt zu verklagen und zu fordern, was selbstverständlich sein sollte: googlelos und selbst verstehen zu können, was da geschrieben steht. Auf übrigens allen Formularen und Abschriften, die schliesslich für uns Bürger und Bürgerinnen gemacht sind!

Ist Sprache nicht genau dazu da? Zu informieren. Verstanden zu werden. Verständlich zu machen. Man nennt sie auch Kommunikationsmittel, also ein Mittel das es uns ermöglicht uns einander verständlich zu machen. Macht also durchaus Sinn sich darüber Gedanken zu machen was ich wie sage, damit es bei meinem Gegenüber entsprechend klar und deutlich ankommt.

Scheinbar geht es nicht allen darum von allen anderen verstanden zu werden. Im Gegenteil. Sprache kann auch bewußt abschotten – wenn sie dazu mißbraucht wird. Ausgerechnet an Hochschulen passiert dies häufig. Elitäre Wortgefechte und theoretische Termini machen ein Verständnis unmöglich – wenn man sich nicht in die geforderte Sprachnorm einreiht, die diese Gruppierung für sich und ihresgleichen vorgesehen hat.

So wird Sprache zur Barriere. Zum Code, den man erst mal dechiffrieren muss, anstatt eines sinnvollen Systems zur Kommunikation. Alle anderen verstehen dann nur Bahnhof und sind vom Dialog ausgeschlossen.

Menschen mit besonderen Bedürfnissen wird der ein oder andere Text inzwischen in Form der leichten Sprache zur Verfügung gestellt. Ist das nicht absurd? Wie konnte unsere Sprache so schwer werden, dass sie sich nur noch als unzugängliches Wortlabyrinth präsentiert?

Mein Tipp für die richtige Wortwahl: Schon an Stätten der Bildung sollte das Gegenteil der Fall sein. Einfache, zugängliche Worte machen das Teilen von Bildung mit ALLEN möglich. Ohne dass sie erst in die sogenannte leichte Sprache regelrecht übersetzt werden müssen! Und das ist dann wirkliche und wahre Chancengleichheit: wenn ALLE verstehen können was du sagst. Ansonsten kannst du es auch einfach für dich behalten.

Und warum das Finanzamt so scharf darauf ist missverstanden zu werden, hab ich auch schon kapiert. Ich möchte euch jedoch nicht mit Verschwörungstheorien quälen, vielleicht schreib ich lieber ein Buch darüber, mit Dan Brown.
Also, bis nächste Woche – einfach abwarten und Tee trinken!

Patrizias Teeologien sind inspiriert von Teebeutel-Weisheiten und übersetzen diese ins wahre Leben: Was will der Teebeutel mir sagen? Ist das auf dem Teebeutel mehr als nur ein belangloser Spruch? Wird mich das Trinken genau dieses Tees mit zunehmender Lebensweisheit belohnen?

Veröffentlicht auf: business and she magazin

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