verkehrte welt

es geht darum alles andersrum zu sagen. andersrum als man es meint. also du sagst was, aber du denkst eigentlich das gegenteil. na zum beispiel, du sagst der mann bringt die kohle nachhause, aber in wirklichkeit bist du es, die frau, die da raus geht um das große geld zu machen. warum du das machen solltest? mal abgesehen von dem selten fall, dass du mit kindern dieses verwirrende spiel spielst, bei dem es letztendlich nur darum geht mal endlich sachen aussprechen zu können, die man sonst nicht sagen darf oder soll? nun, wahrscheinlich, weil du nicht aussprechen willst, was eigentlich nicht sein darf.

großartig wäre aber, wenn die sich die wandelnden geschlechterrollen, einfach nur noch mehr verwirrung stiften würden. weil man eben nicht unterscheiden könnte, was nun ein verkehrte-welt-spielchen ist und was realität. weil der witz dabei wäre, dass das sowohl als auch die realität ist.

wenn das entweder-oder-prinzip aufgelöst wird, wird alles möglich. der mann verdient das dicke geld. die frau schaufelt die scheine nachhause. oder der mann vom mann ist der versorger, während der mann die lieben kinder hütet. vielleicht aber, machen auch beide frauen karriere, weil sie so große lust auf ihre jobs haben und engagieren einen naniator, weil sie darüber hinaus wert darauf legen in der erziehung ihrer zwillinge auch männlichen einfluss geltend zu machen.

warte. noch verrückter: vielleicht geht sie arbeiten, OBWOHL sie viel weniger verdient! warum? weil sie bock drauf hat. und er übrigens auch: weniger arbeiten, mehr zeit sich sozial zu engagieren. ohne kinder. die braucht man nämlich für all diese gedankenspiele garnicht.

das einzige was man braucht ist die freiheit herauszufinden welchen weg man gehen möchte.

egal welches geschlecht.
egal welche konstellation.
egal welcher verdienst.

wie das gehen soll? nichts ist unmöglich. alles was wir uns als gesellschaft vorstellen können und erreichen möchten geht. wir müssen es aber auch mal ausprobieren. zum beispiel das bedingungslose grundeinkommen. ja, ja, beruhigt euch. ich höre es förmlich schon: das ist eine schöne vorstellung, aber unrealistisch! was ist mit all den faulen eiern, sollen die fürs nichts tun geld bekommen? wer soll das finanzieren? das ist doch völlig utopisch!

ok. das heißt ihr wollt gern so weitermachen? 40, 50, 60-stunden-wochen, viel arbeiten, wenig freizeit, keine zeit für familie, freunde, gemeinschaft? und immer dreht sich alles nur ums geld, obwohl man so viel arbeitet? wenn man glück hat, freut man sich immer aufs wochenende. und das bringt man seinen kindern, als super-gutes vorbild, dann von klein auf bei: arbeiten ist doof, muss aber sein wegen der kohle und man arbeitet die ganze zeit auf den feierabend, das wochenende und den urlaub hin. alles andere ist quasi vertane lebenszeit.

na herzlichen glückwunsch, das sind ja aussichten…da würde ich als jugendliche auch spontan depressionen bekommen. ich glaube, wir brauchen eine andere blaupause. wir müssen da mal ganz anders ran. im grunde mal frei denken und super-duper-verkehrte-welt spielen.

familien, in denen die mutter die hauptverdienerin ist, werden tatsächlich als „verkehrte familien“ bezeichnet. weil es genau das gefühl beschreibt, dem sich viele paare ausgesetzt sehen, bei denen die rollenverteilung „anders“, „andersrum“ oder eben „verkehrt“ ist. die frauen investieren viel kraft darin, die vermeintlich alte ordnung wiederherzustellen. übernehmen trotz fulltime-job zusätzlich haushalts- und erziehungsaufgaben, um dem rabenmutter-rufmord zu entkommen. oder um ihr normiertes schlechtes gewissen zu bearbeiten und den schein nach außen zu wahren. denn ansonsten, droht dem mann schlappschwanzeritis.

ein mann, der sich ausschließlich um haus und kinder kümmert, ist gesellschaftlich noch nicht akzeptiert. weder von anderen männern. noch von frauen. und schon garnicht von müttern.

das archaische beuteschema hat uns noch immer fest im griff.
psychotherapeut stefan woinhoff, zeit geld, nr. 3/18

wo ist das problem? nicht nur tradierte rollenbilder. vorallem gesetze, regeln, ökonomische zwänge, normen, stereotype, ehegattensplitting, steuervorteile die das beibehalten traditioneller arbeitsteilung begünstigen und natürlich auch kinderbetreuungs-gaps.

keine rosigen aussichten, wenn man das alles so im gesamten betrachtet. also was tun? es gibt die möglichkeit abwarten und tee trinken und vielleicht auch dem yogi-tee-spruch folgen, der mir grade sanft zuflüstert: lass die dinge zu dir kommen. man kann auch nicht abwarten, bis sich alles um einen herum ins ideale umfeld verwandelt. man kann direkt ein teil der verwandlung werden. die verkehrte welt zur eigenen welt machen. als vorbild vormachen was möglich ist. sich den mut herausnehmen, mit konvetionen zu brechen.

einfach mal ausprobieren.
ich sag das bloß so. ist ja verkehrte welt grade…

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