phantom rassismus

ins museum gehen ist doch echt der allerletzte, elitäre, pseudo-intellektuelle zeitvertreib. wohlerzogen und leise schweigend, in bester sonntagskleidung zwischen alten objekten lustwandeln: wenn das der alleinige sinn von museum sein sollte, bin ich dafür sie alle zu kindergärten umzubauen – macht wahrscheinlich mehr sinn.

die wahrheit ist: ich liebe es, ins museum zu gehen. und ich bin überzeugt, dass sie mehr können, als nur „zeug“ zu zeigen.

im oktober bin ich als teil einer gruppe weißer, unschuldiger ausstellungsschäfchen, im dresdner hygiene museum: es geht um rassismus. es geht um die erfindung von menschenrassen. um ordnung und norm, um vermessung und abstammung. es geht vorallem: um weiße überlegenheit. natürlich wollen wir uns intensiv mit dem top-aktuellen thema auseinandersetzen.

aber anzunehmen, wir selbst seien auch rassistisch, das geht jetzt wirklich zu weit! wir gehen doch ins museum um all die wertvollen, alten sachen anzusehen. man kann auch schlaue texte dazu lesen, wenn man lust drauf hat. und wenn´s richtig gut läuft, denkt man auch noch ein bisschen drüber nach. aber sich so scharf angehen zu lassen, gehört hier irgendwie nicht hin, an diesen sauberen, tauben ort.

was!? (sehr laut und sehr empört) das museum muss ein politischer ort sein! so wie wir alle politische wesen sind. selbst wenn wir keinen bock auf politik haben, nie wählen gehen und eine demo eine art tape für uns ist. dieser ort muss sich als raum verstehen in dem information, aufklärung, austausch und vorallem gesellschaftliche verantwortung stattfindet.

die frage ist, ob das passiert, wenn sich menschen in sonntagskleidung schweigend durch eine ausstellung von dingen schieben, ohne die herausforderung sich selbst den fragen des rassismus stellen zu müssen. oder wenn sogar das ausstellungshaus selbst es nicht schafft, seine haltung in bezug auf das thema selbstbewußt zu entwickeln. kann es dann erwarten, dass die besucher es tun? oder war das am ende garnicht sein ziel?

ich habe zwar migrationshintergrund, aber ich bin weiß: doppelt blöd. einerseits musste und muss ich mich rassistischen situationen stellen, andererseits gehöre ich eindeutig zu den leuten, die von rassismus profitieren. mist. schon wieder sitze ich zwischen den stühlen.

aber unabhängig von meiner persönlichen situation: warum ist es so schwierig, tabus wie diese anzusprechen? den knoten platzen zu lassen? auch auf die gefahr hin, dass der ganze schmierig-gelbe rassismus-eiter rausfliesst. klar ist das schmerzhaft und ekelig und natürlich will das keiner sehen. aber gaffen würden sie trotzdem alle. wetten?

„sie“, das sind im übrigen auch wir. wir alle. jeder einzelne von uns. wir sind teil des strukturellen rassismus. wir profitieren von ihm. auch wenn rassismus unbewusst reproduziert wird, hat er dieselben, fiesen, zerstörerischen effekte. und wichtig ist, den eigenen rassismus zu akzeptieren. um ihn dann zu besprechen, behandeln, aufzuschneiden oder zu entscheiden sich selbst zu amputieren. schwierige sache das. ich denke es geht auch ohne solche extremmaßnahmen. man sollte aber lieber nicht zu lange abwarten, denn wenn´s schwarz wird…

 

rassismus ausstellung

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