neue chancen & alte zwänge

gendershift. shift. was soll das überhaupt sein? wer braucht denn den gendershift? ist das nicht bloß wieder so eine diskussion über gerechtigkeit und gleichstellung? nein, ist es nicht. gendershift ist nichts über das wir erst noch reden müssen, er passiert bereits. er ist ein fakt, realität. und er hat nichts explizit mit einem streitgespräch zur gleichheit zu tun, sondern ganz konkret mit der individualisierung von geschlechtsidentitäten – übrigens auch jener von hetero männern – also lest ruhig weiter!

geschlechterrollen verlieren zunehmend an verbindlichkeit und damit einhergehend verändern sich auch arbeits- und lebenswelten. die frauenbewegung hat nicht nur die selbst- und fremdwahrnehmung der eigenen rollenzuschreibung ins rollen gebracht. sie hat vorallem auch andere bewegungen ausgelöst. denn – wie wir alle schon immer wussten – hängt alles und jedes unweigerlich miteinander zusammen. frauen sind unabhängiger geworden und selbstverständlich verändert sich damit das rollenverhalten von männern auch nachhaltig. das bedeutet nicht, für alle die es immer noch nicht verstanden haben, dass den männern etwas weggenommen wird. es bedeutet, dass wir alle mehr bekommen: mehr von uns selbst. oder anders: die möglichkeit zur selbstentfaltung.

wir menschen neigen zur linearität. wir vergleichen spezifische phänomene gerne mit ihrer vergangenheit: also quasi mit sich selbst. früher war eben alles besser. gleichzeitig aber, verändert sich im moment einiges, und zwar non-linear. die neue rollenvielfalt der geschlechter verhält sich situativ und sehr individuell. stereotype werden überdacht und der binarität wird eine vielfalt entgegengestellt, in welche sie sich eingliedern kann, in der sie aber keine hauptrolle mehr spielen wird.

geschlecht kann heute freier ausprobiert werden. nicht im sinne eines tests, sondern im prozess der suche nach sich selbst.

welche bedeutung werden geschlechterrollen in unserer künftigen gesellschaft denn überhaupt noch haben? nun, im moment fehlen immer noch an allen ecken und enden vorbilder. stereotype rollenbilder beeinflussen nach wie vor sehr stark die berufswahl junger menschen. und das fehlen von, zum beispiel, männlichem erziehungspersonal in kindergärten, macht nicht nur die vorbild-lücke von kindern alleinerziehender frauen größer.

einschlägige studien zeigen, dass viele gebildete frauen, ihren job in der mitte ihrer karriere verlassen. übrigens nicht um kinder zu bekommen und den haushalt zu schmeißen, sondern weil sie ihr als feindselig empfundenes arbeitsumfeld schlichtweg hinter sich lassen wollen. in diesem kontext sei aber gesagt, dass die klassische konzernkarriere ohnehin auf dem absteigenden ast ist: sie ist schlichtweg unattraktiv. für männer und frauen. unabhängigkeit, selbstverwirklichung und soziale bindungen werden als stichworte genannt, wenn es um die frage des was-willst-du-erreichen geht. es ist die rede von „sinnarbeit und liebesarbeit“. und da fällt mir dieses plakat im bürofenster eines großen konzerns ein, an dem ich tagtäglich vorbeiradel: love what you do!

in der hinsicht sind sich frauen und männer also einig. werden sie im zuge des gendershifts am ende immer gleicher? wohl kaum. falsch verstanden. es geht nicht um angleichung sondern um rollenwechsel, rollenvarianz, rollenbruch. es geht auch nicht nur um frauen und männer. es geht um das gesamt geschlechterspektrum da draußen und wie jeder einzelne von uns damit umgeht. wir werden alle gleicher, in dem wir verschiedener und variabler, auf uns selbst bezogen vielfältiger werden:

 

gleichheit

durch

vielfalt.

 

das hat bereits jetzt schon spürbare folgen für die arbeitswelt, natürlich dadurch auch für die wirtschaft. die arbeitswelt ist geprägt durch kommunikative umwälzungen die stattfinden und längst nicht jeder weiß damit so recht umzugehen. die hierarchische kommandozentrale weicht dem vermitteln, dem abstimmen und der empathie, alles auf augenhöhe. das kann bisweilen sehr anstrengend und zeitintensiv sein, vorallem wenn viele, sagen wir mal ungeübte parteien, mit am tisch sitzen, denen dieses vorgehen gänzlich fremd ist und die noch nicht einmal die bereitschaft mitbringen sich darauf einzulassen. aber was hinten dabei rumkommt ist, mehr als nur auf sozialer ebene betrachtet, bereichernd. im endeffekt ist es bares geld.

was machen wir jetzt damit? am besten damit umgehen. nicht ignorieren, nicht abwarten und mal sehen was passiert, sondern damit arbeiten und die zukunft mitgestalten. es wird alles in bewegung bleiben und offen für jegliche einflüsse. doch eins wird garantiert nicht passieren: es bleibt nichts wie es war.

zusammengefasst heißt das also, dass der gendershift stattfindet und nicht erst besprochen werden muss um zu starten. worüber wir aber natürlich sprechen müssen, ist was das für uns bedeutet, wie wir damit umgehen, welche chancen und herausforderungen er mit sich bringt.

in jedem fall kann der gendershift etwas ganz großartiges schaffen: uns alle an einen tisch bringen und erkennen lassen, wie sehr wir uns doch gleich sind, wenn wir genau hinhören und hinsehen. aus dieser erkenntnis empathie füreinander entwickeln und jedem die chance zu geben, sein individuelles potenzial auszuschöpfen.

denn vielfalt ist die normalität unserer welt und genau darin liegt das potenzial!

 

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