allen alle alles

wenn man die iranischen frauen hier im stadion sieht, wie sie ihrer mannschaft zujubeln und mitfiebern, denkt man: schade, dass sie das zuhause in ihrem eigenen land nicht auch können. (moderator ard, wm-spiel iran gegen spanien)

ich bin echt froh über diesen kommentar.

natürlich, weil er so einfach und offen heraus beschreibt, wie unnatürlich diese restriktionen gegenüber frauen im iran sind. aber auch, weil es eben für mich ein so normaler anblick war, dass ich garnicht daran gedacht habe, dass diese frauen in ihrer heimat nicht die möglichkeit haben mitzufiebern.

wenn es um emotionen geht, und darum geht es beim fußball absolut (auch wenn viele denken es geht um dieses runde ding auf dem rasen), ob freude, enttäuschung, wut oder die sehnsucht nach einem tor – dann sind wir wirklich alle gleich. emotionen sind menschlich. nein, sie machen uns menschlich. und in genau dieser menschlichkeit, in dieser vielfalt an gefühlen, dem vermögen diese zu zeigen, sind wir alle gleich. es ist einfach normal. wir sind auch in der lage, individuelle ausbrüche an empfindungen jeglicher art zu tolerieren, weil wir sie kennen. und wenn nicht jetzt in genau demselben moment, so können wir sie doch generell nach-empfinden.

vielfalt ist total normal.

ich habe nicht das bedürfnis mich hier darüber auszulassen, wie absurd ich die ausgrenzung der weiblichen fans aus den iranischen stadien finde. und es geht mir auch nicht darum, dazu eine stellung zu beziehen, die für mich ganz offensichtlich ist, weil ich grundsätzlich nichts davon halte, menschen in kategorien einzuteilen. es geht also vielmehr darum herauszustellen, was uns nicht unterscheidet. was uns gemeinsam ist. was uns gleich macht, ohne gleichmacherei zu betreiben. denn das wunderbare ist die normalität dessen, dass wir so vielfältig sind.

und ich kann nur deshalb feststellen, wie vielfältig wir tatsächlich sind, weil wir vom grundsätzlichen unseres seins vergleichbar sind. nicht im sinne von ein-ei-dem-anderen, sondern bei der betrachtung dessen, was uns eben alle zu menschen macht.

die nackte wahrheit ungefiltert.

ich stelle mir also vor, unsere gesellschaft wäre in der lage, das so glasklare erkennen eines missstands in einem anderen land, auf sein eigenes land zu übertragen. denselben kritischen blick ins eigene land wagen. durch die brille ohne rosa-rot schauen. für viele scheint das schwer – selbstkritisch zu sein, liegt eben nicht jedem. obwohl wir so zahlreiche redewendungen in der deutschen sprache besitzen, die genau diese problematik illustrieren: in den spiegel der wahrheit blicken oder nicht mit steinen werfen, wenn man denn selbst im glashaus sitzt.

fakt ist aber, dass wir in unserer so offen geglaubten gesellschaft andauernd andere ausgrenzen. oft, ohne es zu merken, und das macht es leider nicht besser. es ist eine art von ausgrenzung, die sich als normalität in unseren alltag eingeschlichen hat und sich auf dem blinden fleck unseres blicks für gerechtigkeit eingenistet hat. es gibt nur eine möglichkeit, das vollumfassende sehen wieder zu erlangen: aufmerksam das eigene denken und handeln im täglichen gebrauch beobachten und zu hinterfragen. sich selbst fragen stellen. wer fragt, so ein anderes sprichwort, sucht die wahrheit. mit der offenheit eines kleinkindes in die welt blicken. ganz bewußt die dinge mal aus einer anderen perspektive betrachten und ausprobieren was das mit sich bringt. den mut haben, sich zu ertappen.

das machen wir schon immer so.

und, ganz wichtig: empathie zulassen. warum sollte jemand weniger verdienen als der andere, nur wegen seines geschlechts? wieso sollten orte und räume, die für menschen gemacht sind, einem nicht kleinen teil der menschheit, den zugang erschweren? wie kann es richtig sein, dass ich davon profitiere, dass andere ausgebeutet werden? warum verleugne ich das, worauf mich diskriminierte menschen aufmerksam machen und bin nicht in der lage mich darauf einzulassen? was spricht dagegen, dass jede*r sein selbst so ausleben kann, wie es ihm oder ihr entspricht? kann es schaden, auch etwas sperrige formulierungen zugunsten von minderheiten zu benutzen? was würde passieren, wenn wir unsere inneren schubladen öffnen und mal ordentlich ausmisten?

eine unglaublich verrückte idee: sich vorzustellen wir seien intelligente wesen, die durch ihre intelligenz in der lage sind, so zusammen zu leben, dass jeder einzelne die volle entfaltungsmöglichkeit für sich hat und wir alle gemeinsam das ganze potenzial dieser intelligenten wesen zur verfügung haben. unschlagbar! zu allem in der lage! superhelden – wir alle zusammen. also, auf geht´s, macht schon mal einen termin beim sperrmüll!

 

nicht jeder kann die wahrheit sehen, aber jeder kann die wahrheit sein. (franz kafka)

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