muttertag – ein leben lang

einmal mutter, immer mutter. das war´s. aus der nummer kommst du dann einfach nicht mehr raus. und wenn du dich darüber beschwerst, weil du es schlicht blöd findest dieses label für immer zu tragen, dann wird dem label einfach noch eins drauf gesetzt: rabenmutter.

na. ich möcht ja garnicht wieder über das muttersein, die mutterrolle oder vielmehr die mutterschublade sprechen. darum soll es diesmal nicht gehen. es soll um diesen heutigen tag gehen. das konsumkonstrukt muttertag und das damit einhergehende theater das veranstaltet wird.

worüber ich mich so aufrege?

das ist doch so schön, und wenn die kinder mit ihren selbstgemalten geschenken kommen, mensch, das ist doch zum dahinschmelzen. ach komm, ich will euch doch eure präsente nicht madig machen. auch nicht das kindliche engagement, welches vom treusorgenden vater gesteuert auch garantiert zum muttertag aufblüht. aber wer will mir ernsthaft erzählen, dass er sich durch diese inszenierung einmal im jahr, von ein paar (gott bewahre, am ende noch selbstgepflückten) blumen und ausgemalten herzen, wirklich überzeugen lässt, dass hier die verdinglichung des respekts gegenüber der täglichen (unbezahlten) arbeit gemeint ist? kurz: so kann er doch nicht sein, der tag, übrigens ein hoch offiziell festgelegter, an dem die mutter geehrt werden soll.

das wozu der tag absolut taugt, ist den floristen ordentlich geld in die kassen zu spülen und noch mehr druck auf die frauen aufzubauen, denn mein mal nicht, dass du die hauptrolle spielst, wenn über dir noch eine weiter mutter existiert. da musst du anrufen, hinfahren, einen kuchen backen, blumen besorgen – das selbstgemalte bild kannst du dir sparen. komisch. beim vatertag läuft das irgendwie anders…aber egal.

der ursprung des muttertags ist ein anderer.

anna jarvis, pfarrerstochter aus virginia, trauerte um ihre verstorbene mutter. es war 1905. und sie beschloss eine feier zum gedenken zu veranstalten. sie bemühte sich um die lieblingsblumen ihrer mutter als dekoration. und lud freunde ein. dabei kam ihr die idee, einen ehrentag für mütter ins leben zu rufen. gesagt – getan. einflussreich wie sie war, nutzte sie ihre kontakte um öffentlich für den muttertag zu werben, was ihr gut gelang. aber was ihr nicht gelang, war der lebenslange kampf gegen die kommerzialisierung ihrer idee. und es ging anna jarvis bei weitem nicht nur darum, des mutterdaseins ihrer mutter zu gedenken, sondern vielmehr um das gesamtpaket, welches diese frau geleistet hat. ihr lebenswerk wenn man so will. oder besser gesagt, die vorbild-funktion, die sie dargestellt hatte und auch über ihren tod hinaus weiter darstellen wird.

ich habe das gefühl, das ist ein viel respektablerer ausdruck dessen, wofür man abgefeiert werden möchte. ich habe das gefühl, das wird einer frau gerechter, als nur einen teil ihrer persönlichkeit so pseudomässig einmal im jahr herauszustellen. und ganz ehrlich, ich bin auch der meinung, dass zur huldigung der leistungen der mütter ein angemessenes entgelt gehören sollte: und genau dann, wäre eine mutter mehr als die frau, die nebenher haushalt und kinder schmeisst und nicht als wirtschaftliche kraft in unserer gesellschaft anerkannt wird.

was kann man jetzt damit machen?

den muttertag ersetzen durch eine art frauen-vorbild-tag, ob namentlich oder nur inhaltlich sei dahingestellt. aber die blumen und bilder durch gespräche und austausch ersetzen oder bereichern. vielleicht auch nicht nur einmal im jahr, sonder kontinuierlich. eine auseinandersetzung damit, was es bedeutet frau zu sein, nicht nur mutter, aber eben auch mutter. was es heisst vorbild zu sein. für die eigenen kinder, für die kinder anderer, für andere frauen und auch für die männer da draußen. ich finde, das wäre ein wichtiger beitrag für unsere gesellschaft und ein zugewinn für das was sich ohnehin schon anfängt zu verändern: die rolle die wir als frauen und auch mütter spielen. und spielen wollen.

also: lasst uns darüber sprechen und vorbild sein.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s