die privatsphärengefährdende feuerschale und mein votzen-nachbar

gesellig ums lagerfeuer sitzen ist: asozial. dreckig. heiß. gesellschaftsbedrohend. zündstoff für nachbarschaftliche, glühende tiraden.

wir haben uns schliesslich über unsere tätigkeiten aus prähistorischen zeiten hinwegentwickelt und uns dank der evolution von solch schmutzigen und lauten aktionen befreit. das geht auch garnicht. ich mein, wer kommt auf solch kranke ideen. draußen im dunkeln zusammen sitzen und reden, wo man das doch ohne worte und belästigenden feinstaub in den sozialen medien erledigen kann. das kann man doch wohl erwarten, von guten nachbarn. rücksicht nehmen und sich nicht blicken lassen. damit jeder seine ruhe haben kann. statt dessen zieht dieses perverse lagerfeuer seine kommunikativen kreise bis zu den nachbarn, über gartenzäune hinweg, und nötigen meinen votzen-nachbarn tatsächlich doch noch zu – sprechen. sogar zu schreien. und er verstößt unerkannt gegen seine eigene regel: mit anderen in kontakt zu treten im realen raum des frühsommerlichen hinterhofs.

mein nachbar scheint von leuten, die es nicht geschafft haben aufrechten ganges vor der glotze zu sitzen und auf das fenster nach draußen zu starren, vor den kopf gestoßen, in ebenso archaische verhaltensweisen zurück zu fallen: die sich am feuer wärmende frau von nebenan, – höflich beschwichtigend, es sein nun wirklich „kein anruf bei der feuerwehr nötig“ – wird von ihm als sogenannte votze identifiziert. die gehirnmasse erleidet einen kurzschluss und vergisst die letzten jahrtausende der kulturgeschichte… in die entwicklungsstufe der hominiden vor nunmehr zwei milionen jahren zurückfallend, fällt ihm nur ein konkreter begriff beim anblick dieses weiblichen wesens ein: votze.

nicht, dass er womöglich damit zu erkennen geben will, dass er sie als weiblich identifiziert habe. oder ausrufen möchte, dass er davon ausginge, sie habe eine. nö. ich glaube, es geht schlichtweg darum auszudrücken, sie möge ihr freches maul halten und sich auf ihr hinterteil setzen, am besten auf die feuerschale – um das rauch entwickelnde, glühende häufchen damit zu ersticken (wer meiner anspielung nicht folgen kann, möge interessiert unter wikipedia „fotze“ nachschlagen, das ist sehr aufschlussreich).

ich: schockiert und gleichermaßen belustigt. denke, mir wäre das wohl nicht passiert, denn ich hätte ihn keinesfalls so höflich darauf hingewiesen, dass es ihn einen scheißdreck angeht, was ich in meinem garten mache. vielleicht hätte ich mein tshirt ausgezogen. es eilig in die wodkaflasche mit dem mikrigen rest flüssigkeit gestopft. ein feuerzeug rausgekramt und…na. vielleicht hätte ich das aber auch nicht gemacht. und es ist nicht schwer zu erkennen, dass ich keinen blassen schimmer davon habe, was ein molotow-cocktail wirklich ist.

aber komisch ist das schon. ich denke ja auch nicht, wenn ich abends in mein motel one zimmer komme: ey, was ist das denn für ein votzen-verein. so ein völlig verblödetes, digitales kaminveuer an die wand zu nageln. geht´s noch? sollte ich die feuerwehr rufen, damit sie das verdammte pixelbild löscht und mich von dem sterilen, analogfeindlichen augenschmutz befreit?

aber das ist nicht nötig. ich bin allein. das flache ding an der wand hat einen knopf den ich drücken kann. und laut-kommunikation bleibt mir erspart. seufz. herrlich. gut, dass ich hier wlan habe…yabba dabba dooo!

 

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