handy, handy in der hand…

was ist normal? was ist schön? wer sagt was schön ist? von wem lassen wir uns sagen was schön ist? wir sollten mehr sein, als die summe dessen wie wir aussehen, was wir kaufen und verkaufen, uns davon emanzipieren und erkennen, dass sich mit körperlichen stereotypen vorallem: unglaublich viel geld machen lässt.

klar. wenn uns jeder erzählt, dass schön sein mit glücklichsein gleichgesetzt werden kann, dann wäre es ja hirnrissig nicht danach zu streben. wer will schon unglücklich sein? aber kann man überhaupt mit etwas glücklich werden, das einem von außen diktiert wird?

lew wygotski hat gesagt, wir würden erst durch andere wir selbst werden. dann sind demnach die anderen der spiegel, in welchem ich mich sehe. oder vielmehr, wie ich von anderen gesehen werden möchte. so frei wie ich dachte, bin ich in der wahrnehmung meiner selbst also garnicht? ist meine identität unfrei? oder zumindest nicht unabhängig und souverän?

wenn ich die menschen in meinem umfeld beobachte, auch gerne im freibad, einem der geeignetsten orte um eine sozialstudie zu betreiben, scheint es noch krasser. viele fragen ständig das gerät in ihrer hand, wer der oder die schönste im ganzen land ist. facebook, insta und wie sie alle heißen, helfen kräftig mit bei der suche. das bild von mir, wird wichtiger und schließlich auch realer, als ich selbst. es geht nicht darum fit zu sein, es geht darum fit auszusehen. der energieaufwand um auf dem urlaubsselfie happy auszusehen ist grösser als jener, wirklich zufrieden zu sein. für die anderen zu inszenieren wie ich gesehen werden möchte, wird zur eigentlichen sinnhaftigkeit meines daseins.

besser ist besser als gut

selbstoptimierung (statt selbstfindung) ist der neue lebenssinn. und mit hilfe all der apps und filter durchaus erreichbarer, als der trip dem man sich hingeben müsste, wenn man sich tatsächlich mit sich und seinem sein auseinandersetzen würde.

selber definieren, was schön ist. was gut ist. wie man sein möchte. wie anstrengend! außerdem ist es doch gut, dieses inszenieren. in rollen schlüpfen. erhöht das nicht auch die empathie, weil man sich in andere hineinversetzen kann? sicher. wenn es denn karnevalistische rollenspielchen bleiben. kleine tests, innerhalb derer wir uns ausprobieren. versuchen versionen von uns zu erzeugen. es ist ja bestimmt auch spannend mal auszuprobieren, wie sich eine veränderung unseres körpers, auf unsere sogenannte lesbarkeit auswirkt. denn unser äußeres ist unglaublich vorurteilsbehaftet und folgt latenten machtstrukturen: wäre ich genauso beliebt, wenn ich dick wäre? würde der junge mann mir die tür aufhalten, wenn ich einen jogginanzug anhätte? würde ich genauso viel verdienen, wenn ich ein mann wäre? hätte ich genauso ein schlechtes gewissen wegen meiner work-life-balance, wenn ich keine frau wäre?

körper als waffe

laut foucault ist der körper die fläche, auf der sich die macht einschreibt. ich frage mich, von wessen macht überhaupt die rede ist. wer übt diese subtilen, aber permanenten disziplinierungen auf unseren körper aus? schon bevor sie in kliniken, kindertagesstätten, schulen (…) weiter in unser bewußtsein eingeschliffen werden.

medien? sind dabei eine große hilfe! die gefilterte informationsvermittlung programmiert unser wissen und dadurch unsere „persönliche“ meinung. werbe-pop-ups, rechts und links, legen uns nahe was wir konsumieren wollen. große marken bedeuten uns, unsere individualität hervorzuheben. soziale medien ermuntern uns, durch user-gerechte nutzung (einfach daumen hoch oder daumen runter klicken, das kann jeder vollidiot), die welt die wir haben möchten mitzugestalten. ja, schon klar.

durch die medien werden uns diverse wahrheiten über uns eingetrichtert. und divers ist in diesem zusammenhang ausdrücklich nicht positiv gemeint. als könnte man davon ausgehen, dass die medien jeden einzelnen von uns kennen. tun sie nicht. das ist ja der witz. in der art, wie uns die medien behandeln, machen sie uns gleich. jedoch nicht gleichwertig. im gegenteil: sie bewerten uns. richten über uns. und wir machen mit.

es ist doch so: ich muss über mich sprechen, um frei zu sein. nicht nur andere über mich sprechen lassen. und ich sollte das tun, um diese vermeintlich natürliche ordnung in frage zu stellen. denn sie ist von menschen gemacht: ein mittel der macht, um körper oder geschlecht auszunutzen, um zu dominieren.

wollen wir überhaupt geschlechtergleichheit?

was bedeutet denn geschlechtergleichheit für unsere körper? gleichheit bedeutet auf den ersten blick erst mal freiheit. und von der hat eigentlich keiner weniger, wenn andere davon mehr bekommen. aber geschlechtergleichheit würde machtgleichheit bedeuten. und da draußen haben sich so viele an ihre privilegien gewöhnt, klar empfinden die diese plötzlich geforderte gleichberechtigung wie eine bevorzugung der anderen. sie möchten natürlich lieber ihre privilegien behalten. und wenn auf einmal das diktierte „gleich“ und vorgegebene „schön“ neu definiert wird, vielleicht sogar unterschiedlich umgesetzt wird, gibt man sehr viel macht und kontrolle aus der hand. dann macht ja jeder, was er will!

wenn sich frauen* gegen „fett“ als beliebtes schimpfwort für frauen* stemmen zum beispiel. und wagen sich offen dagegen aussprechen. dafür einstehen mehr raum einzunehmen. erkennen, dass die geforderte dünn-heit bedeutet, dass man ihnen diesen raum nicht zugestehen möchte. vielleicht manchmal vorziehen würde, sie würden ganz verschwinden (aus der politik, aus den machtvollen positionen, aus den jobs, aus den clubs). dann kann man damit nicht viel geld machen. mit defiziten lässt sich mehr konsum erzeugen. falten-creme, anti-cellulite-gel, diät-drinks, bauch-weg-slips, whitening-zahnpasta, waxing-produkte, hautaufheller, altersflecken-beseitiger, anti-grau-färbemittel…die liste führt ins endlose. und lässt sich endlos erweitern.

aber identität ist nicht zwangsläufig an geschlecht gekoppelt. und damit ist sie auch nicht zwangsläufig nur an den körper gekoppelt. sie ist komplex. und darum geht es, wenn die rede davon ist, der stereotypisierung entgegenzuwirken, der wir ausgesetzt werden. es geht darum nicht von dem typischen menschen zu sprechen. ihn auf die eine weise als schön oder normal zu definieren. es geht darum uns nicht von einem system ohnmächtig machen zu lassen, welches vielfalt nicht zulässt und uns im grunde unserer individualität beschneidet. es geht um miteinander und nicht gegeneinander. vielleicht geht es darum, zu erkennen, dass wir uns nicht – wie bisher angenommen – in der abgrenzung zum anderen identifizieren. sondern uns durch das erkennen von gemeinsamkeiten selbst definieren können.

es geht darum verantwortung und macht neu zu verteilen. und damit auch den druck auf jeden einzelnen zu verteilen.

die industrie hat den dreh raus. sie hat sich – gewinnorientiert und ökonomischen maximierungs-werten folgend – daran beteiligt, unsere zunehmend vergeschlechtliche sprache zu verbreiten und zu vertiefen. und macht sich damit zunutze, dass geschlechter ihren körperlichen defiziten mit produkten entgegenwirken, die widerrum genderisiert sind. sie verdient sich dumm und dämlich an uns. und wir sollten aufhören, uns von anderen sagen zu lassen wer wir sind!

welche rolle spielt sprache, wenn es um die ordnung der menschen geht? welche rolle spielt sprache, in unseren rollen, die wir spielen? genderisiert uns sprache wenn sie vergeschlechtlicht wird?

zu diesem thema: im nächsten artikel.

 

 

pink stinks

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