zurück in die zukunft

eine sehr gute freundin hat mir vor jahren das buch „das bleibt in der familie“ von sandra konrad geschenkt. es handelt von familie. wie sie uns prägt und wie über generationen konflikte, verletzungen und lasten, weitergegeben werden. ich konnte damals nicht so viel damit anfangen. nach zehn mehr oder weniger motivierten gelesenen seiten, blieb es auf dem berühmten stapel liegen: die zwei bis sechs bücher, die ich parallel zu lesen pflege.

sie hatte schon damals einen guten grund es mir zu schenken. und ich hab schlicht die message nicht verstanden. das schöne an geschenkten büchern: sie laufen nicht weg und haben gute chancen, im laufe eines lebens, ihren auftritt zu bekommen. ausgenommen völlig unterirdische flachware, die sich bei mir nicht durchringen wird, weil ich dann lieber zum zigsten mal die inseln im sturm inhaliere.

mary page marlow

der besuch des kölner schauspielhauses jedenfalls, brachte jenes buch aufs parkett. dieselbe thematik: einmal als theaterstück und einmal als buch. natürlich differenziert betrachtet, aber genau das machte es so interessant grade jetzt das buch zu lesen. es passte einfach…nein, im grunde hat es die ganze zeit auf mich gewartet und ich hätte viele anknüpfungspunkte in den letzten jahren gehabt. wie dem auch sei. ich fand es einfach bemerkenswert, wie sehr es mir dann doch im gedächtnis geblieben ist und was für ein zufall mich dazu gebracht hat es von ganz hinten aus dem regal zu ziehen.

ich danke meiner freundin sehr für diese bereicherung. denn mit vielen dingen, nicht nur bücher, ist es doch so, dass sie irgendwie zu einem kommen müssen. ganz ehrlich: ich hätte mir „so“ ein buch niemals gekauft. nicht ahnend, wie bereichernd seine thematik sein kann. und so ist man dann doch auch auf den guten geschmack seiner freunde angewiesen!

in wirklichkeit aber ist kein ich, auch nicht das naivste, eine einheit, sondern eine höchst vielfältige welt, ein kleiner sternenhimmel, ein chaos von formen, stufen und zuständen, von erbschaften und möglichkeiten. (hermann hesse, der steppenwolf)

was hat das mit mir zu tun?

das buch, geschrieben von sandra konrad, einer diplom-psychologin, psychotherapeutin und eben sachbuchautorin, ist analytisch und zeigt anhand zahlreicher familien-beispiele auf, wie sehr es sich lohnen soll, sich mit seiner familiengeschichte auseinander zu setzen. was hat das mit dem thema gender und diversity zu tun?

es gibt schlichtweg einen hinweis darauf, wo wir suchen können, wenn wir versuchen die frage zu beantworten, ob wir wirklich die person sind, die wir zu sein glauben. oder ob wir wirklich so sind, wie wir sein wollen.

denn beim lesen wird klar, was wir vielleicht schon geahnt haben, aber nicht unbedingt in solchen dimensionen. ja, wir ähneln unseren vorfahren. das ein oder andere haben sie uns vererbt. und man scherzt gern über jenes laster oder dieses manko, welches mama, papa oder opa einem über die gene verpasst haben. aber das wirklich überraschende, ist nicht dieses. sondern das, was sich nicht über gene erklären lässt. was deshalb auch so schwer zu fassen ist. schon garnicht lückenlos nachweisbar. aber letztendlich geht es im buch nicht um beweise, sondern um die eigenen erkenntnisse, die man lesender weise haben kann. und die wunderbare heranführung an die tatsache, dass wir nicht allein zur verantwortung gezogen werden können, wenn die familie mit unserem ungeraten sein gänzlich unzufrieden ist.

erbschaft 4D

jedes tun hat nun mal seine folgen. und die nicht nur direkt und unmittelbar auf die nächsten uns umgebenden. sondern zeit- und raumunabhängig. so, dass wir tatsächlich manchmal dinge tun, von denen wir uns fragen, warum eigentlich. weshalb wir nicht völlig frei unseren eigenen weg gehen. wieso sich einiges anfühlt, als würde uns eine unsichtbare macht dazu nötigen. wir uns gefangen fühlen, in uns selbst. ich glaube man nennt das, nicht aus der eigenen haut zu können. diese situationen in denen, wenn man sie anderen beschreibt, die anderen immer fragen: ja, warum machst das dann überhaupt? gute frage. nächste frage!

tatsächlich muss man manchmal tief, tief graben, um eine antwort oder nur einen ansatz zu finden. weil wir selbst nicht allein die frage beantworten können. die generation vor uns oder die noch davor brauchen, um zu verstehen, was vor sich geht. die geschichten über unsere ganz persönliche geschichte. denn es gibt kein „vor unserer zeit“. es gibt nur die zeit damals (ohne uns), die jetzt in uns steckt. und glaubt mir, da sind die krampfadern von der mama oder die pläte von papa das geringste übel!

das konstrukt familie ist durchzogen von emotional aufgeladenen empfindungen wie schuld, verpflichtung, dankbarkeit, rollenzuweisungen oder scham. im buch ist die rede von „transgenerationalen übertragungen und wiederholungen“. und man ahnt schon, wie sehr das eine persönliche entwicklung beeinträchtigen kann und so einer wirklich freien entfaltung im wege steht. na, nicht nur im wege steht, vermutlich regelrecht im keim erstickt.

übrigens soll hier kein unterschied gemacht werden, zwischen traumatischen erlebnissen und unterschwelligkeiten, die sich in der wiederholung ähnlich aber anders negativ auf die eigenständige, freiheitliche entstehung eines individuums auswirken können.

kehrwoche 2.0

was macht man nun damit…nun, zumindest erkennen, dass wir nicht davor weglaufen können, wenn die familie nervt. bringt nämlich nach hinten raus nicht wirklich was. vorallem nicht uns selbst. will man sich selbst verstehen und erkennen, sein wahres ich versuchen aus dem wirr warr herauszuschälen, alten kram zum sperrmüll rauswerfen und reinen tisch machen, muss man doch zurück blicken. die alte kommode von der wand abrücken und nachsehen was dahinter gefallen ist. den keller entrümpeln und ein paar dinge einfach los werden.

und ausmisten. und das bedeutet nichts anderes, als sich auch das ein oder andere mal, von liebgewonnenen sachen zu trennen – weil man sie ja doch nicht mehr anziehen will…

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