lola

girls will be boys and boys will be girls
it’s a mixed up muddled up shook up world except for…

(the kinks, lola)

lola ist offensichtlich nicht so einfach zu fassen. klar, wenn ich bisher gelernt habe dass der mensch entweder ein mann oder eine frau ist, bin ich irritiert bis konsterniert, wenn mir lola gegenüber steht, fleisch gewordener beweis, dass ich mich wohl geirrt habe. und achtung: es kommt noch krasser. es ist nicht nur so, wie die kinks 1970 in ihrem song zum besten geben, dass mädchen jungs sein werden und jungs widerrum mädchen. mixed up, muddled up: du kannst auch beides gleichzeitig sein, oder keins von beidem. du bestimmst es selbst. wer du bist und wen du begehrst.

göttlicher mix

fast 50 jahre später wird überall auf der welt ausgesprochen, was schon immer klar war: die welt besteht nicht nur aus frauen und männern. weder die tierwelt. noch die pflanzenwelt. und ja, auch nicht die menschenwelt. und das erklärt auch, warum nicht klar ist ob gott ein mann oder eine frau ist. ich werde mich darüber nicht streiten, denn meine meinung zu diesem thema, ist nochmal eine ganz andere. aber es ist weder förderlich so zu tun, als sei er ein alter, weiser mann. noch zu behaupten er sei eine frau, einfach nur, um das gegenteil zu sagen. wenn wir von einem gott abstammen, wenn, na dann ist er beides und keins davon. beides und die herrlich vielfältige mischung in jeglichen ausprägungen.

die abschaffung der zweier-kategorisierung frau/mann wird keine ordnung durcheinander bringen. uns auch nicht in völlige orientierungslosigkeit stürzen. sie wird uns befreien: von den fesseln der geschlechtszuschreibung. für die menschen, die es gewohnt sind, sich im binären ordnungssystem zurecht zu finden, wird es selbstverständlich erst mal – sagen wir – anders. was aber nicht heisst, dass es sich falsch anfühlen muss. es ist sicherlich nicht einfach, das bisher gelernte und vermeintlich als normal mit sich verwachsene, als veränderungswürdig anzuerkennen. was aber nicht bedeutet, dass es nicht notwendig ist. und sicher, die freiheit, die es mit sich bringt, ist eine nicht bei allen willkommene freiheit. weil es menschen gibt, denen diese freiheit angst macht. weil sie womöglich schwierigkeiten haben werden, damit umzugehen. aber bezeichnen wir demokratie als unpassend für völker, die jahrzehntelang in der diktatur gelebt haben, und die werte und vorgehensweisen der demokratie erst kennenlernen und nachvollziehen lernen müssen? nein, denn es ist ein völliges selbstverständnis für uns – dieser versuch demokratischen miteinanders.

dein körper, deine entscheidung

und genau so selbstverständlich wird es uns und vorallem für die nachfolgenden generationen sein, dass jeder mensch einen körper und geist hat, der ihm selbst gehört, über den er selbst bestimmen kann und dem er selbst zuschreiben kann, was und wie er sein möchte. dann wird es selbstverständlich sein, dass keiner mehr sätze sagt wie „sie läuft wie ein mädchen, aber spricht wie ein junge“, weil das binäre ordnungssystem mann-frau aufgelöst sein wird, zugunsten wahrer freiheit.

zugunsten der einsicht, dass gender kein produkt einer identität ist, die wir zuvor innerhalb eines ordnungssystems einsortiert haben. sondern dass vielmehr gender meine identität ausmacht. im zuge dessen, dass ich mich finde, innerhalb meines eigenen fühlens, begehrens und tuns.

schubladen füllen

zugunsten des ich und du. das nicht mit typisch männlichen oder weiblichen attributen mehr beschrieben werden muss. weil es diese (zum glück) nicht mehr gibt. weil es attribute gibt. aber nicht mehr diese olle, alte kommode, mit nur zwei schubladen. ich will einen alten apothekerschrank, vielleicht nicht nur einen. und dann füllen wir all die schubladen, wie wir möchten. jeder wie er mag. und man darf auch was aus der einen schublade nehmen, und in eine andere dazustecken. mix and match ist nicht nur ein mode-trend. im gegenteil: es wurde von der mode geklaut, weil es eine geniale idee ist. weil alles erlaubt ist was gefällt. nicht nur, aber natürlich besonders in der liebe.

wenn wir es geschafft haben, uns von der uns einschränkenden binarität zu lösen, zu denken wir hätten nur zwei kategorien, die dazu noch festgeschrieben und unumstösslich sind…dann wird sich uns eine welt der möglichkeiten eröffnen, die uns wirkliche freiheit nicht nur verspricht, sondern zulässt diese selbst zu erschaffen.

die binäre regulierung der sexualität unterdrückt die subersive mannigfaltigkeit einer sexualität, die mit den hegemonien der heterosexualität, der fortpflanzung und des medizinisch-juristischen diskurses bricht. (judith butler, das unbehagen der geschlechter)

wie wir diese freiheit erschaffen können? mit toleranz. toleranz üben. toleranz leben. toleranz als bereicherung für uns selbst erkennen. denn wir werden immer alle unterschiedlich sein. unterschiedlichen denken, aussehen, fühlen. und genau darum geht es: uns selbst zu brain-washen. denn wenn wir aufhören, nur nach gemeinsamkeiten zu suchen und ein bereicherndes miteinander darauf basieren zu lassen, können wir das „mehr“ einer unterschiedlichkeit ernst nehmen. wir sollten unsere unterschiedlichkeit suchen und erkennen. sie abfeiern. uns das andere nehmen und uns damit anreichern. mehr werden. geistig. zwischenmenschlich. kulturell.

das haben wir in vielerlei hinsicht schon geschafft, wahrscheinlich, ohne es bewußt zu merken. und doch sind wir schon jetzt die summe all der menschen, der unterschiedlichen menschen, die uns umgeben und prägen. die welt ist schon ein ort der mannigfaltigkeit. der einzige ort, der es noch werden muss ist das menschliche gehirn.

mixed up muddled up shook up world

keine lust auf eine welt, in der alles und jeder einsortiert werden muss. wo man, von geburt an mit erwartungen beschwert wird und gar keine chance hat, fliegen zu lernen. kein bock auf menschen, die in schablonen denken und alles und jeden aussortieren, der nicht durchpasst. liebt ihr es nicht auch, am flughafen oder bahnhof einfach zuzusehen wer da alles vorbeikommt? so unterschiedlich gekleidet, verschiedene emotionen die man diesen gesichtern und augen ansieht. sich zu fragen, was wohl ihr ziel ist. welches leben sie führen. warum sie hier sind. ob sie glücklich sind… so menschliche fragen.

die kinks haben den song 1970 rausgebracht. das ist lange her, und manchmal frage ich mich schon, was seither passiert ist. vielleicht, waren wir sehr mit anderen dingen beschäftigt. damals gab es auch restriktionen, länder die das lied ab einer gewissen passage nicht spielen wollten. alles braucht wohl seine zeit. aber ich hab nicht ewig zeit. ich möchte auch nicht ewig warten und denken, dass sich ja schon einiges gebessert hat. im grunde würde ich mir nur wünschen, die menschen brächten mehr enerige auf im hier und jetzt dinge zu verändern und anzupacken, als ständig damit beschäftigt zu sein, sich auf diesen digitalen plattformen links hin und her zu schicken. seiten und fotos zu liken, um der welt zu präsentieren wie offen und bereit sie doch sind. dann aber, im nächsten moment, wenn es im wahren leben drauf ankommt – halten sie einfach nur die klappe. ist ja auch schwerer jemandem seine meinung zu sagen – direkt ins gesicht.

it really doesn’t matter what sex lola is, i think she’s alright. (ray davies)

haltung hat nichts mir einer meinung zu tun, die man irgendwo aufschnappt und liked. sie ist etwas, das aus dem eigenen bewusstsein erwächst. geformt von erfahrungen die man macht. egal ob am eigenen leib, ob gelesen oder durch eine unterhaltung erfahren. die fähigkeit, unterschiedliche perspektiven einzunehmen und zu durchdenken. dazu muss man da raus gehen und leben. erleben. durchleben. den menschen wirklich begegnen und sich den diskussionen stellen. keiner spricht von einem gemütlichen spaziergang, aber es macht spaß!

nur dann, wenn man die gelegenheit nutzt, die menschen da draussen wirklich kennenzulernen, bekommt man mit, wie speziell jede ihrer geschichten ist. und dass eben jeder seine spezielle geschichte hat. und dann kann man entscheiden, unabhängig von der geschichte, wen man sympatisch findet oder nicht.

daumen hoch. daumen runter.

auch im wahren leben, muss man nicht jeden lieb haben. aber auseinandersetzen muss man sich damit schon – ausser man möchte das haus nie wieder verlassen und auf einer einsamen insel mit seinem computeranschluss leben…zugegeben. hat was. ist aber unrealistisch. also: raus!

the kinks

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