das war doch nur

ein scherz. ein spaß. da soll man drüber lachen (können) und nicht mit witzloser miene dreinschaun. bloß keine spaßbremse sein. das ist man nämlich, wenn man nicht mitlacht. oder zumindest bestätigend grinst. vielleicht auch nur verlegen lächelt, aber dies kann der witzelnde dann auch als kommentarlose zustimmung deuten. alles ok. nur nicht derartig kommentieren, dass klar werde würde, wie unlustig der spaß war. ein entlarvender kommentar, der dem spaß einen ismus entlockt. aber nein! so war das sicher nicht gemeint, so hast nur du es verstanden, weil du es so verstehen willst. weil du generell keinen spaß verstehst. dem lachen in den keller der ernsthaftigkeit entschwindest und nicht zu denen raufgehst, die nur mit den guten absichten der gemeinschaftsstiftung herumwitzeln.

das ist halt so eine sache mit dem witz

einerseits bezeichnet es die eigenschaft, geistvoll zu sein, wenn man „witz hat“. auf der anderen seite ist er eine geschichte, mit lustigem oder überraschendem ende, die man erzählt, um andere zum lachen zu bringen. wobei zu beachten ist, dass die anderen nicht jene sind, auf deren kosten der witz geht. und glaubt mir, der witz geht eigentlich immer, auf kosten von jemand anderem. das ist nämlich der witz am witz. im grunde ist der witz die möglichkeit sich über jemanden lustig zu machen und ungeschoren davon zu kommen. jemand, der gerne witze auf kosten anderer macht, sie dadurch bloßstellt, um sich selber zu erhöhen, hat einen aggressiven humor. ein negativer humorstil (wen es interessiert: in der humorforschung spricht man von vier unterschiedlichen humorarten: verbindend, selbststärkend, aggressiv und selbstentwertend). es ist macht, die in diesem moment ins spiel kommt. nicht die frage nach humor oder nicht humor.

humor ist wenn man trotzdem lacht

wenn man dieses trotzdem näher betrachtet, dann verbindet humor schwäche und stärke auf eine eigentümliche art und weise: ein lachen ist nur dann humor, wenn es in einer situation der gefahr oder des scheiterns auftritt, sich nicht gegen dritte richtet und eine noch so kleine hoffnung auf die überwindung der krise vermittelt. demnach müsste ich mir keinesfalls humorlosigkeit vorwerfen lassen, wenn mein durchaus intellektuelles gegenüber, einen völlig schwachsinnig-rassistischen kommentar loslässt und diesen unter dem deckmäntelchen des komischen verharmlost.

es ist kein witz. es ist spott. und mit dieser begriffsfindung bekommt der kommentar etwas garnicht witziges. im gegenteil. der spott kommt vom altdeutschen spotten und bedeutet nichts anderes als spucken. auf andere zu spucken. es ist demütigend und lächerlich-machend. ich frage mich dennoch, wie ich in solch einer situation am geeignetsten reagieren kann. denn meist wird einem doch der spruch „das war doch nur ein witz“ entgegengeschleudert. der soll nicht nur das gesagte im sinne des sagenden beschönigen, sondern gleichzeitig die kritische zunge der humorlosigkeit bezichtigen.

glaubt mir

ich bin alles andere als humorlos. sagen wir mal, ich habe meine art des humors. und humor ist tatsächlich eine wissenschaftlich nachgewiesene charaktereigenschaft. also. möge mir doch bitte keiner vorschreiben, wann genau und wie ich meinen humor an den tag zu legen habe. das entscheide ich dann schon selbst. ich für meinen teil, möchte dennoch dafür plädieren, sich etwas genauer zu überlegen wie und wann man lustig zu sein gedenkt. und ob es sich um einen kommentar handelt, der wirklich als witz durchgeht. oder ob es sich eher um spöttisches aus der kategorie rassismus bis sexismus handelt.

ich bin „schadenfroh“

und ich lache tränen, wenn irgendwem (der es vertragen kann) was lustig-blödes passiert. ein stolpern (ohne sich zu verletzen), ein missgeschick (ohne verheerende konsequenzen) – für mich allemal ein grund von herzen zu lachen. also nicht wirklicher schaden, im wortwörtlichen sinne, aber zumindest ein kleines missgeschick, welches die unfehlbarkeit des menschen ordentlich in frage stellt und auf leichte, ironische weise zeigt, wie fehlbar wir sind. es macht uns gradezu zu menschen, dass wir fehler machen. und die müssen wir machen, um dazu zu lernen. um uns zu entwickeln. zu hinterfragen und vorherzusagen.

deshalb ist es vielleicht nur menschlich, blöde witze zu reissen. und noch viel menschlicher, sich darüber gedanken zu machen, ob das überhaupt noch in unsere zeit passt. vielleicht ist der rassistische pseudo-witz nur ein vehikel, um wenigstens ein mal nicht alles richtig zu machen. ein fehlbarer mensch sein zu drüfen. sich nicht zusammenzureissen und jedes wort zehnmal im mund umzudrehen, bevor man es für immer hinaus in die ohren aller hinaus lässt, die es hören werden, ob sie wollen oder nicht. das ist es bestimmt. und trotzdem ist es gut, darüber nachzudenken, was genau man sagt und mit welcher leichtfertigkeit einem immer noch gewisse aussagen über die lippen gehen. es lohnt sich der blick auf das gegenüber. es hat einfach mit respekt zu tun.

respekt vor dem anderen. respekt vor sich selbst.

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