die ordnung der dinge // teil 3

ordnung und rollenzuschreibungen

der mensch ist immer ein lernender, die welt ist ein versuch, und der mensch hat ihr zu leuchten. (ernst bloch)

schon seit langem geht der trend der biologischen familie hin zur sozialen familie. es steht nicht mehr im vordergrund, wer mit wem verwandt ist, sondern wer sich um wen in welchem maße kümmert und verantwortung übernimmt. im zusammenhang mit blochs zitat lässt sich hierzu folgendes sagen: da haben wir doch was dazugelernt und versuchen es jetzt mal anders. es gibt heute sehr unterschiedliche formen (und auch beweggründe) der partnerschauft und demzufolge ist auch die neue definition oder bedeutung von elternschaft ebenso differenziert!

die weibliche biologie, versetzt uns frauen in die lage kinder zu gebären.

aber diese voraussetzung ist nicht gleichzusetzen mit mutterschaft. oder mit mutterinstinkt. deswegen sind nicht explizit frauen von natur aus besser geeignet um kinder großzuziehen. oder männer weniger geeignet. geschlecht disqualifiziert oder qualifiziert keinen menschen zur elternschaft. und genau dieser terminus ist bei weitem treffender, um die rolle zu beschreiben, die einem zufällt, sobald man ein kind bekommt. egal übrigens auf welchem wege. das ist völlig zweitrangig. kind ist kind. eltern sind eltern.

wir müssen diese direkte verknüpfung, frauen seien mütter, umbedingt loswerden. diesen floh den uns irgendwer immer wieder ins ohr setzt. und damit nicht nur verhindert, dass frauen und männer sich von rollenzuschreibungen losmachen können. sondern auch ermöglichen, dass sich jeder in unserer gesellschaft frei entfalten kann, im öffentlichen und im privaten raum. für sich allein oder als familie. es kann diesbezüglich keine ordnung, keine regeln geben, außer jenen die unsere gesellschafts selbst hervorbringt. und diese auch ständig weiterentwickelt, weil sich jedes einzelne seiner elemente verändert und neu erfindet: nämlich wir. elternschaft ist ein kulturelles ding. genau wie gender es ist. geformt von zeit und raum. es ist nicht so, dass heutige mütter nicht ordentlich sind, nicht der norm entsprechen. es ist vielmehr so, dass die vorstellung der mutter- oder vater-ordnung nicht mehr dem entspricht, was oder wie mütter heute sind. die lang formulierte vorstellung von familien-ordnung, vater-mutter-kind(er), beschreibt nicht mehr das was wir als familien leben.

die formen des zusammenlebens sind so vielfältig wie die menschen, die sich zusammenschliessen um gemeinsam zu leben

in australien gibt es einige aboriginie-stämme, in denen kinder von zahlreichen „tanten“, die in eng verbundenen gemeinschaften zusammenleben, grossgezogen werden. wir erinnern uns an die viktorianische era, während derer es üblich war, dass aristokraten ihre nachkommen vertrauensvoll an (stillende) ammen übergaben. die zeiten änderten sich aber. und in den frühen 60er jahren entstand, im kontrast dazu, die über-mutter. sie wurde zum medial millionenfach reproduzierten stereotypen des neuen frauenbildes: monogam, der hausarbeit verschrieben und sich ihr leben lang komplett dem wohl der kinder und des ehemanns aufopfernd.

als frau kannst du heute astronaut werden, aber du bleibst dennoch die, die mutter werden wird!

steckt dieses mutter-ding etwa in unseren genen oder warum spricht keiner davon, dass ein mann automatisch auch ein vater ist? nur weil wir als frauen diejenigen sind, die eine gebärmutter haben? was ist denn dann mit den frauen, die keine kinder bekommen können – gelten die dann nicht als 100%ige frauen? oder sind das die „freien“ frauen, weil ihnen, im gegensatz zu den gebärfähigen, ihr körper wirklich gehört? was ist mit all den transgendern? ich finde leider nicht den vollen umfang unserer gesellschaft in diesen alten, verkrusteten ordnungsprinzipien wieder. keine frau wird als mutter geboren. und wenn wir simone de beauvoir zuhören, wird man auch nicht als frau geboren.

die mutterschaft wurde, und wird immer noch, als machtinstrument missbraucht. es ist eine entscheidung zwischen pest und cholera: bekommst du kein kind, bist du nicht als vollwertige frau angesehen. aber bekommst du kinder, aus angst, um erwartungen zu erfüllen, aus finanzieller abhängigkeit…hat das nicht unbedingt immer etwas mit freiem willen zu tun. ein einverständnis, ein zugeständnis, ein einlenken, hat nichts mit freier entscheidung zu tun. und bist du mutter geworden, scheinst du dein recht eine freie frau zu sein, verwirkt zu haben. einmal mutter, immer mutter.

der körper der frau wurde als ein gänzlich von sexualität durchdrungener körper analysiert – qualifiziert und disqualifiziert; auf grund einer ihm innewohnenden pathologie wurde dieser körper in das feld medizinischer praktiken integriert; und schließlich brachte man ihn in organische verbindung mit dem gesellschaftskörper (dessen fruchtbarkeit er regeln und gewährleisten muß), mit dem raum der familie (den er als substantielles und funktionelles element mittragen muß) und mit dem leben der kinder (das er hervorbringt und das er dank einer die ganze erziehung währenden biologisch-moralischen verantwortlichkeit schützen muß): die ‚mutter’ bildet mitsamt ihrer negativfolie der ‚nervösen frau’ die sichtbarste form dieser hysterisierung. (michel foucault, sexualität und wahrheit: der wille zum wissen)

was das mit rollenzuschreibung zu tun hat? nun, dieses erwartungsmodel macht regeln, reglementiert gefühle. bei befolgung bekommt man ehre, ansehen und akzeptanz. dann ist man eine gute frau, eine gute mutter. es erfolgt im wahrsten sinne des wortes regelrecht eine verurteilung des privaten durch die öffentlichkeit. und du kannst es nicht richtig machen. entweder du wirst zu früh, oder zu spät mutter. entweder du stillst zu lang oder eben viel zu kurz. entweder du gehst zu früh wieder zum job zurück, oder zu spät. es sind idealistische, unmögliche und widersprüchliche erwartungen, die kein mensch erfüllen kann. bei dem versuch ist das scheitern vorprogrammiert.

i’m a bitch / i’m a lover / i’m a child
i’m a mother/ i’m a sinner / i’m a saint (meredith brooks)

wir dürfen nicht zulassen, dass kleine mädchen darauf trainiert werden, mütter zu werden, nur weil wir es nicht hinbekommen, uns von den stereotypisierenden rollenzuschreibungen zu lösen. frau-sein darf nicht bedeuten, ein höhstes lebensziel laut gesellschaftlicher ordnung zu erreichen: die mutterschaft. mutterschaft darf nicht stigmatisieren und nicht ausschliessen. mutterschaft muss entweder neu definiert werden oder wir sollten dazu übergehen, diese begrifflichkeit grundsätzlich zu überdenken. die art und weise wie wir dinge benennen und somit definieren, sollte das widerspiegeln wie wir sie betrachten, formen und denken. wir können mit unserer sprache die zukunft formen, die wir wirklich wollen. weil worte mächtig sind. weil worte nicht die dinge selbst sind, sondern ausdrücken wie wir die dinge denken. wenn wir für die ideen und formen die wir haben worte finden, können wir auch darüber sprechen und unsere ziele verfolgen. sie werden konkret. real. worte, die unseren bedürfnissen gerecht werden.

normen und ordnungen bestimmen die zeitgenössischen vorstellungen von realität. sie können aber in frage gestellt werden. neue formen der realität können eingeführt werden. realität ist nichts zu dem wir verurteilt sind. sie ist nicht in stein gemeißelt. judith butler schreibt in „die macht der geschlechternormen“ darüber, dass man möglichkeit selbst als eine norm verstehen muss. denn für diejenigen, die noch darauf warten, „möglich“ zu werden, ist die möglichkeit eine notwendigkeit. und natürlich ist hier die rede von allen, die sich nicht in die schubladen „mann“ und „frau“ einsortieren lassen müssen.

die übersetzung wird vielmehr jede sprache zwingen, sich zu ändern, um die andere begreifen zu können…es wird einen verlust geben, eine orientierungslosigkeit, in der aber das menschliche die chance hat, neu gestalt anzunehmen. (judith butler)

offenheit und unwissenheit müssen ein teil davon sein, wir sind teil des prozesses und kein einzelner kann vorhersagen was das ergebnis sein wird. die norm besteht nur fort, wenn wir sie reproduzieren, sie idealsieren und nicht hinterfragen.

das leben verlangt nicht nach vorgeschriebenen, definierten, geordneten wegen

 

 

fuckermothers

mind the gap

 

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