quoten-neger

genau betrachtet, sind die errungenschaften der freiheit oft nebenprodukte. oder treffender: folgen von entscheidungen die aus anderen gründen und mit blick auf andere bedürfnisse getroffen wurden. das recht der frauen zu arbeiten – notwendig da keine männer nach dem krieg zur verfügung standen. das beenden der sklaverei – die briten konnten sich durch den abolitionismus gegen frankreich positionieren, weil napoleon kurzfristig entschieden hatte die sklaverei doch wieder salonfähig zu machen. und dass alle gleich viel verdienen – in island wurde ein erster schritt in diese richtung getan, welche beweggründe dazu geführt haben weiß ich nicht, aber vielleicht ist das eben der weg. er führt nicht gradeaus und man muss versuchen die interessen vermeintlicher minderheiten so zu vermarkten, dass alle sich bevorteilt fühlen?

irgendwie scheint es ja nicht auszureichen dass es schlichtweg unfair ist wenn nicht alle gleich behandelt werden. und es reicht auch nicht sich darauf zu berufen, dass wir das grundrecht jedes menschen verschriftlicht und als gesetzt definiert haben, an das sich alle halten sollten. sollten. das ist dann vermutlich der haken daran. wenn wir vorgaben folgen sollen, müssen, tun wir dies aus einer anderen motivation heraus, als eigenmotiviertes, empathie-gesteuertes tun ansich. veränderungen müssen entstehen und sollten nicht vorgegeben werden. aber, wie bei jeder verändernden bewegung, braucht es vorreiter. vorbilder. vormacher. also menschen die etwas neues denken und dafür einstehen, es vor-machen aber nicht vorgeben. spricht also irgendwie gegen quoten? jein.

tief eingeschliffene denkweisen, die jahrhunderte-lang entwickelt und weitergegeben wurden, brauchen sicherlich ungleich-lang um sich zu ent-wickeln. es gibt aber themen die wir jetzt verändern wollen. verändern müssen. die jahrhunderte alte einstellung zu ihnen passt überhaupt nicht zu der art und weise wie die mehrheit unserer gesellschaft denkt und lebt. und wir wollen auch nicht die ein oder andere generation abwarten, bis mal schwung in die sache kommt. das tempo ist erhöht worden, wir wissen das, schon seit der industrialisierung. und die digitalisierung hat das ihre dazu beigetragen, dass der ein oder andere den eindruck gewinnt nicht mehr mitzukommen, hinterher zu hinken. und sicherlich ist es so, dass manche sich überrannt und übergangen fühlen, anschwung von außen brauchen, denn das karussell dreht sich trotzdem weiter. es soll aber keiner einfach nur mit aufspringen. keiner soll von außen nur zusehen. irgendwie wollen wir alle mitnehmen. es scheint aber für viele nicht von interesse mitzumachen, sofern sie nicht den eindruck haben auch vorteile aus einer veränderung zu ziehen. noch schlimmer, oftmals erkennen sie einen vorteil nicht wirklich, sondern versuchen nur ihren (wirtschaftlichen) vorteil daraus zu ziehen. unternehmen und marken die diversität nach außen verkaufen, nach innen aber nicht leben. marken die versuchen diversität zu ihrem marken-zeichen zu machen und so als marketingstrategie missbrauchen. ich habe den eindruck, dass genau hier die zuvor erwähnten quoten von gesetzes wegen wichtig sind, denn wir wissen um die macht des geldes, sein status wird fast immer über die würde des menschen gestellt und deshalb macht ein regulativ an dieser stelle sinn. zumindest um die weichen zu stellen.

ist es möglich, dass diversität ein trend ist? ist es grade hip divers zu sein?

diversität ist natürlich kein trend. es ist kein zug auf den man aufspringt um an der nächst besten haltestelle auszusteigen. diversität ist unsere realität. und das ist nichts neues, nichts modernes, schon garnicht eine modeerscheinung. die geschichte liefert genug beweise, auch wenn es momentan so scheint als wäre diversität das neue phänomen auf das alle ihren blick richten. diese phänomenologische aufmerksamkeit auf das thema diversität und gleichstellung kann sich aber durchaus zu deren nachteil auswirken, sofern sich das interesse nur schlaglichtartig auf das thema richtet. ausschlaggebend bleiben die auswirkungen, das ausstrahlen und das weiterentwickeln, nicht das kurzzeitige erfüllen einer quote.

beispiele? beweise? frederick douglass. kennt man nicht? richtig. aber sollte man zumindest mal einen blick drauf werfen, denn dieser mann wurde nicht nur als sklave geboren und hat sich aus dieser situation sowohl körperlich als auch intellektuell befreit. er hat sich auch für gleichstellung eingesetzt, politisch engagiert und sich dafür ausgesprochen. und dies bereits im 19. jahrhundert. er gilt als einer der einflussreichsten afroamerikaner jener zeit. oder: françois poullain de la barre, der im 17. jahrhundert lebte und drei abhandlungen zur frauenfrage verfasste, in denen er sich mittels descartes‘ philosophie für die gleichheit der geschlechter einsetzt. und dies nicht, um sich grundsätzlich im feministischen schwerpunkt aufzuhalten, sondern um eine  gleichstellung aller zu erwirken: er identifizierte die männliche überlegenheit als ältestes und tief verwurzeltes vorurteil, dessen abschaffung alle anderen vorurteile ebenfalls eliminieren würde. es gibt viele weitere beispiele in der jüngeren und älteren geschichte, die an dieser stelle zunächst unerwähnt bleiben sollen.

bei aller diversität geht es paradoxer weise darum gemeinsamkeiten finden. schnittmengen benennen, nicht abgrenzungen schaffen. es geht nicht darum genauso-gut zu sein wie ein anderer. oder genauso-viel-wert. oder genauso-repräsentiert. gleich ist nicht gleich. keiner möchte gleich sein wie der andere. und weil wir nicht gleich sind, im sinne von uniformität, können wir natürlich auch nicht gleich behandelt werden. scheinbar bewerten wir aber fähigkeiten von menschen, geprägt durch unsere vorurteile, unterschiedlich. dadurch werden weniger talentierte menschen dann automatisch als „weniger wert“ eingestuft. die quote soll uns auf ein null-level bringen, auf dem wir lernen können, oder zumindest die folgenden generationen, falls wir es intellektuell nicht mehr auf die kette kriegen. lernen, dass alle alles erreichen dürfen, weil es keine dinge gibt die nur für die einen oder die anderen bestimmt sind. lernen, dass es keine stereotypen gibt, sondern nur wir selbst sie in unseren köpfen erschaffen. lernen, dass alles möglich ist, solange man selbst keine grenzen aufbaut die es unmöglich machen.

und deshalb mach ich gern auch die quoten-frau und die quoten-migrantin. wenn es der sache dienlich ist… (fortsetzung folgt)

 

does diversity matter

marke diversität

 

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