form follows funktion follows form

romeo und julia. eine der bekanntesten liebesgeschichten dieser erde. tausendfach gespielt und gesehen. tausendfach erlebt und gelitten. und wenn man die geschichte gut genug kennt um nicht zwingend die handlung verfolgen zu müssen, werden diese anderen geschichten sichtbar. wie ist das mit romeo und seinen kumpels? diese truppe halbstarker jungs, die sich prügeln und provozieren, um sich dazwischen immer wieder in den arm zu nehmen und gegenseitig küsse zu verteilen.

die geschichte stammt in ihrem ursprung aus einer vergangenen zeit, aber offensichtlich sind die gefühle und unsicherheiten dieselben. der stand der dinge in jungen jahren immerzu der gleiche. die suche nach sich selbst zeitlos. diesem hin- und hergerissen sein zwischen der schablone in die man passen soll und dieser inneren stimme die verwirrende dinge flüstert, komische fragen stellt und die einfach nicht dazu passen will. oder hat einem nie jemand erzählt, dass zu dieser schablone, zu der vorgeformten form, auch immer die gegenform gehört? bedauerlicher weise klingt die gegenform so als sei sie der form ent-gegen gesetzt. als negative abgrenzung der eigentlich positiven form. aber vermutlich ist es besser die beiden formen als voneinander abhängig zu betrachten. die eine die bedingung für die andere. mal scheint die eine den zwischenraum der anderen zu füllen. dann wieder erscheint sie als überdeutliche, für sich stehende form, die den raum für sich einnimmt und die andere ins dazwischen drängt. oh. vielleicht ist dies der noch bessere bertrachtungswinkel: sich ständig verdrängende, flüssige formen die sich mal hierhin und mal dorthin ausbreiten.

mir schienen die jungen männer auf der bühne des schauspielhauses köln jedenfalls das zu verkörpern. dieses alte, starre bild von männlichkeit welches man erkennen kann. dieses laute und gewalttätige, sich aufspielende wesen das so gern im vordergrund steht…aber ehrlich gesagt beschreibt das gleichzeitig auch die julia. sie schreit ständig, ist dabei aggressiv und laut. und wenn man bedenkt, dass sie sich zum ende der story das leben nimmt vor kummer, dann kann nicht einmal davon die rede sein, dass die körperliche gewalt gegen menschen nur den männern auf der bühne vorbehalten bleibt. sie umarmen, liebkosen, küssen sich gegenseitig immer wieder. sind innige kumpels und fürsorgliche freunde. und wenn dabei mal ein anderer zu schaden kommt, dann im überschwang der herrlichen gefühle die aus den jungs ausbrechen und unkanalisiert entkommen. sprich: sie rasten halt mal aus. genau wie die frauen auch. ständig. kreischen. heulen. rennen. ein wunderbares gefühlswirrwarr, geschlechtsübergreifend und alle darin vereinend dass sie fühlen wie sie eben fühlen.

„patriarchat“ bedeutet nicht „männerherrschaft“. es bedeutet „väterherrschaft“ – die herrschaft weniger mächtiger haushaltvorstände über den rest der gesellschaft…nicht die herrschaft der männer, sondern die herrschaft von vätern oder vaterfiguren…fast die gesamte menschheitsgeschichte hindurch hat das patriarchat männer und jungen ebenso unterdrückt wie frauen…das patriarchat ist brutal und gewalttätig, männer können sich schwer daraus ausklinken, und es ist eng verwoben mit dem wirtschafts- und klassensystem des kapitalismus… (laurie penny, unsagbare dinge, nautilus flugschrift)

es ist ein beflügelnder luxus das zu tun was einem spaß macht. einfach weil es spaß macht. sich diese freiheit zu nehmen, kostet uns im grunde nichts und gibt uns unendlich viel gefühl. und ein gefühl für sich haben, für die lust daran dinge zu tun, leidenschaftlich und mit inbrunst, das ist unbezahlbar. es verhindert dass wir wie untote zombies durch die strassen laufen und tun was alle tun weil es alle tun und keiner weiß mehr wer eigentlich gesagt hat dass es alle tun sollen. und warum. aber weil wir vielleicht verlernt haben auf das zu hören was wir selbst wollen, weil wir ihn nicht mehr finden, unseren inneren kompass, uns nicht auf „unser gefühl verlassen können“, geben wir die verantwortung lieber ab. dann kann bestimmt auch nichts schief gehen. denn millionen von menschen machen es so, sind so, das kann nicht falsch sein. im gegenteil. da muss doch alles andere falsch sein, dass nicht der schablone entspricht. oder?  wie war das mit der form und gegenform nochmal?

schauspiel köln

hanne

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