total gender

wir sind keine gefesselten. wir können einspruch erheben. einspruch erheben als teil einer gesellschaft. und wir können sichtbares unsichtbar machen. unsichtbares sichtbar. dazu reicht es aus darüber zu sprechen. was wollen wir wirklich? dürfen wir das wollen was wir wirklich wollen? ist es erlaubt etwas zu wollen was nicht ausgesprochen, unsichtbar ist?

geschlecht sollte weniger totalisiert werden. es könnte als phänomen betrachtet werden. ein spektrum. vielleicht hilft es wenn es weniger wichtig gemacht wird als bisher. womöglich fällt es uns so schwer uns für neue geschlechter-ansichten zu öffnen weil das thema geschlecht so überbewertet ist? aber erfolgt damit nicht auch eine reduktion auf etwas das überbewertet ist?

wenn mein kollege sagt „she´s too pretty to join the skype call“ (hahaha), dann scheint etwas unsichtbares auf einmal viel zu sichtbar. das geschlecht wird über-schaubar und der bewertende blick von außen bewertet mein geschlecht offen-sichtlich. wie kann man zu hübsch für etwas sein? welches klischee versteckt sich hier? welcher unsichtbare sexismus verbirgt sich hinter dieser aussage?

scheinbar, oder offensichtlich, werde ich hier auf etwas reduziert was eine art verstecktes kompliment sein soll. gleichzeitig werde ich augenscheinlich beschränkt auf dieses kompliment sichtbar gemacht. wie nennt man das? ein kompliment, wortstamm-technisch betrachtet, möchte eine ergänzung meiner sein. trifft hier kaum zu da es sich  um eine beschränkung meines ichs handelt. ein complyment würde es eher treffen. mein entsprechen von etwas das der andere mir zuschreibt. dabei hält er sich die hintertür des kompliments offen um dem sexismus-vorwurf zu entfliehen. naja. meiner meinung nach zu offensichtlich und ich beschränke mich selbst darauf dem ganzen nicht weiter aufmerksamkeit zu schenken. aber ich bin wütend. total wütend. und mache meine wut über diese sexistische bemerkung damit unsichtbar. anstatt leise oder vielmehr stumm zu sein sollte ich meine wut nicht nach innen richten sondern sie hinausrufen und so sichtbar machen was absolut nicht in ordnung, vertretbar oder zu entschuldigen ist: sexismus unter dem deckmäntelchen des kompliments.

„zum projekt des feminismus gehört es, männer ebenso wie frauen von repressiven stereotypen zu befreien.“ (laurie penny, unsagbare ding, nautilus flugschrift)

wir alle sind in eine sexistische welt hineingeboren. aber wir haben alle die wahl. die wahl zu erkennen wenn wir selbst sexistisch, rassistisch oder istisch handeln. unreflektiert und stereotypisierend. beschränkt oder kleingeistig. dann können wir unser verhalten ändern. den mund aufmachen wenn wir diskriminierendes verhalten bemerken. es nicht hinnehmen. genausowenig wie beleidigung. denn so funktioniert unterdrückung und wenn wir schweigen machen wir mit. machen unsichtbar was sich klar vor unserem auge abzeichnet.

es geht hier keineswegs um ein reines männer-frauen-ding. sondern darum dass schluss ist damit, dass wir ein kommentar hier und ein witzchen da weiterhin akzeptieren. es geht um boys-clubs, girls-clubs, ausschliessende-clubs. um verhalten das andere diskriminiert und einschüchtert, nur damit man sich selbst besser, grösser, herrschender fühlt. es geht schlichtweg um macht.

die art von macht die sich anschleicht. unselbstbewusste macht. indirekt und von hinten. die, gegen welche man sich nicht wehren kann weil man nicht von angesicht zu angesicht konfrontriert wird. jene art von macht die ausgeübt wird ohne offensichtlich zu sein. unsichtbare machtgefüge. nur sichtbar im dem moment in dem die mächtigen oder bemächtigten zugegen sind. unsichtbar aber spürbar für die, auf die sie ausgeübt wird. unansprechbar ist diese macht, denn sie kommt im schafspelz daher. wie kann man sich gegen etwas wehren, das nicht an-greifbar ist? das trotzdem repressiv wirkt?

man muss es aussprechen. ansprechen. be-sprechen. es führt kein weg drumrum. und wenn es zu diskussionen führt die endlos und ziellos erscheinen. aber einmal in den mund genommen, werden die themen sichtbar. und sie schmecken schal. und das ist wichtig. dann wird darüber gesprochen. darüber nachgedacht. bedenken geäußert. bedacht. vielleicht ergibt es momente die sich wie ein rückschlag anfühlen. die einen runterziehen wie ein paar beton-schuhe. aber es ist nicht vergebens. nichts wird hier vergeben. im gegenteil.

es lohnt sich zu kämpfen und den mund aufzumachen. damit es besser wird. damit es anders wird. und jedes gespräch, jedes kommentar, bringt ans licht was die andere seite versucht unsichtbar zu machen.

wir müssen laut sein. man muss uns sehen. und dann werden wir die anderen überstrahlen.

sexism re-formed

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