ma.she.ne

ich denke anders als jemand anders. meine gedanken mit anderen auszutauschen bedeutet diskussion. denn oft ist mein gedanke ein anderer und nicht unbedingt für den anderen nachvollziehbar. die menschen sind so. sie versuchen sich zu differenzieren. in ihrer art sich zu kleiden. dinge zu sagen. zu sein. nur so kann man sich selbst finden. scheinbar ist das wichtig um seine eigene identität zu finden. und dabei geht es nicht darum einfach nur anders zu sein. ich möchte ich selbst sein. nicht wie jeder andere. aber das andere ist fremd. und das andersartige ist bereichernd denn es reflektiert was ich bin oder nicht bin. mir steht es frei das andere zuzulassen, teile davon in mein selbst eindringen zu lassen oder eben festzustellen dass es abgrenzungen gibt die mein selbst nur stärker definieren.nichts ist falsch daran seine eigene meinung zu haben. manchmal stelle ich aber fest dass ich es schwierig finde mich auf das neue, andere einzulassen. ich bin sehr analog, so würde ich es zumindest formulieren. und all die technik, das digitale, das virtuelle, scheint in meinem persönlichen leben weit entfernt. ohne grosse berührungspunkte zu dem was mir wichtig erscheint. es ist jedoch wichtig für viele menschen mit denen ich täglich zu tun habe. die sich darin wiederfinden und verwirklichen. zum einen finde ich das interessant und es ist etwas das ich verstehen will. auf der anderen seite scheint für mich ein zugang zu dieser welt kaum möglich.

vielleicht weil ich es schwer genug finde mich in der scheinbar realen welt auf all das einzulassen was so anders ist als ich selbst. der versuch all das zu verstehen ist nicht einfach, aber es ist wichtig sich auf das einzulassen zu dem man kaum einen vernünftigen zugang findet denn es gibt vieles was dennoch die gesellschaft beeinflusst und prägt. all diese maschinen-basierten persönlichkeiten die zugang in unser leben finden. die stimmen von siri oder cortina. ihr vermögen uns zu dienen. unser leben erleichtern zu wollen.

was passiert da eigentlich? wie kommt es dass wir im realen leben diesen harten kampf kämpfen. gleichstellung. respekt gegenüber dem das anders ist als wir selbst. anerkennung des anderen als ein teil von uns. und scheinbar parallel dazu entwickelt sich eine unfleischliche welt, eine welt der intelligenten maschinen, maschinen von menschen geschaffen die den anspruch haben maschinen zu erschaffen die uns ähneln. damit wir uns mit diesen wohl fühlen und sie nicht als künstlich empfinden. damit diese maschinen im besten fall in der lage sind sich auf uns und unsere empfindsamkeiten einzulassen.

aber woher kommt die intelligenz dieser artifiziellen intelligenzen? sie ist nicht selbst-erwachsen sondern eingespeist und produziert von (intelligenten) menschen. und im selben moment wird mir klar dass die intelligenz jener menschen massgeblich dafür verantwortlich ist in welcher weise die von ihnen gespeisten maschinen intelligent sein können. oder offen.

wenn die mit frauen-stimmen versehenen maschinen immer verfügbar sind. immer bereit uns zu dienen. welches frauenbild können sie dann vermitteln? welche konnotation ruft das hervor? eine weibliche sklavin die man besitzen kann, aus- und anschaltbar, jederzeit verfügbar?

weibliche stimmen sind gewünscht und verkaufen sich besser. dies reicht als verkaufsgrund diese als solche einzusetzen. welche schwerwiegenden folgen dies nach sich zieht scheint nicht mitbedacht. wie die wahrnehmung auf frauen dadurch auch für die zukunft negativ beeinflusst wird ebenso wenig.

ich möchte nicht mit diesen maschinen gleichgesetzt werden. und es ist für mich untragbar dass der kampf für gleichberechtigung durch die kreation von maschinen mit weiblichen stimmen und aussehen zusätzlich in der technologisierten welt torpediert wird. vornehmlich männliche schöpfer speisen roboter-maschinen mit ihrer intelligenz, geprägt von ihren erfahrungen und einschätzungen, meinungen und wahrnehmungen. die reale, patriarchale welt erweitert sich um technoide, menschsein-wollende maschinen, programmiert von menschen die sich der folgen solcher zuschreibungen nicht im klaren zu sein scheinen. oder sich durchaus bewusst darüber sind und dies mehr als wohlwollend in kauf nehmen.

maschinen sind keine menschen. wieviel mensch steckt denn nun  in intelligenten maschinen die in der lage sind zu lernen (artificial intelligence)? welche intelligenz besitzen sie? eigene oder die eingespeiste? und wenn ihre intelligenz durch die intelligenz anderer entsteht – welche rolle spielen dann diese anderen? wer sind sie und was denken sie? welche „nachkommen“ produzieren sie?

artifizielle intelligenz ist kein mensch. ist aber mensch-geprägt. wenn siri, cortina und wie sie heissen jederzeit-verfügbare weibliche maschinen sind, dann hat sich das jemand genau so überlegt. und welche botschaft wollte dieser jemand aussenden? oder hat er sich darüber garkeine gedanken gemacht. kopflos drauflos programmiert, mit bestem wissen und gewissen. dem wunsch eine maschine zu schaffen die uns unser leben erleichtert. eine maschine die zufällig eine weibliche sklavin geworden ist. immer verfügbar. abschaltbar. anschaltbar. besitzbar.

ich bin sehr analog. und ich möchte es auch bleiben. aber wenn die virtuelle und die technisierte welt eine erweiterung unserer realität ist, müssen wir uns gedanken darüber machen welche teile wir erweitern wollen. und wie.

vielleicht brauchen wir nicht nur anti-bias-ansätze sondern auch anti-bias-algorithmen…

 

we need to broaden the debate about AI

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s